Japan vom Fahrersitz aus: von Tokio zu alten Schreinen, über Bergserpentinen – und zurück
journalist
Ich hätte es kaum zu träumen gewagt, dass ich eines Tages die besondere Atmosphäre eines Landes erleben würde, in dem Hightech-Metropolen, jahrhundertealte Traditionen und beinahe surreale Naturwunder nebeneinander existieren. Dass ich – wenn auch nur für ein paar Tage – beobachten könnte, wie Moderne und kulturelles Erbe ständig miteinander in Dialog treten. Und nun ruft Japan uns zu einem neuen Abenteuer: eine zweiwöchige Reise am Steuer – von pulsierenden Weltstädten zu uralten Schreinen und wieder zurück.
Oft bringt ein erfüllter Traum den nächsten hervor. Genau das passierte, als ich auf die Nippon Rally von GoBeyond stieß und mich mit den beiden Tourleitern Levente Trellay und Yusuke Fukui zusammensetzte. Das Konzept dieser Reise geht weit über das bloße Abfahren ikonischer Orte auf Honshū hinaus – es beschreibt eine andere Haltung zum Reisen, eine Art, die Straße zu sehen und zu erleben, die den Blick auf die Reise selbst verändert.
Japans öffentliches Verkehrssystem funktioniert nicht nur hervorragend, es ist selbst ein kulturelles Symbol – Präzision in Infrastruktur übersetzt. Und vielleicht stellt sich gerade deshalb die Frage: Was entgeht einem, wenn man sich für die schnellste, vorhersehbarste Option entscheidet und das Land einfach am Steuer durchquert?
Wie Levente Trellay es formuliert:
„Das japanische Eisenbahnsystem ist brillant – aber vorgegeben. Die Gleise bestimmen Route, Stopps und Rhythmus. Im Auto liegt die Entscheidung bei dir. Du kannst an einem Aussichtspunkt anhalten, spontan auf eine Nebenstraße abbiegen oder in ein Dorf fahren, in dem ein kaum ausgeschildertes Café den besten Matcha serviert, den du je getrunken hast.“
Und all das erlebst du nicht hinter irgendeinem Lenkrad. Die bei der Rally eingesetzten Toyota GR86 Sportcoupés sind konsequent auf Fahrfreude ausgelegt – und in genau dieser Konfiguration sonst nirgendwo auf der Welt zu mieten.
In diesen Zweisitzern richtet sich der Fokus ganz bewusst auf dich und deine Begleitung. Ihr teilt echte, ungestörte Zeit miteinander, während ihr Japans Puls oder seine stille Seite entdeckt. Autofahren entschleunigt auf die richtige Weise: Es schärft die Aufmerksamkeit und vertieft die Verbindung – nicht nur zu Orten und Menschen, sondern auch zu der Person neben dir. Dieses bewusste Wechseln des Tempos, dieses mentale Reset, wirkt heute notwendiger denn je.
Die Route der Nippon Rally spiegelt Japans Vielschichtigkeit auf natürliche Weise wider. Tokios Neonlichter weichen Schritt für Schritt ruhigeren Landschaften, kleinen Städten, Bergpässen und der stetigen Nähe zur Natur.
Die weiten Kurven der Venus Line, die Noto-Halbinsel, Kanazawa, Takayama, Ainokura, Nikkō, Nara, Kyoto, Hakone und der Fuji – ergänzt durch Onsen-Bäder, Automuseen und wirklich lokale Restaurants – ergeben eine dichte Kette von Eindrücken, die sich Ort für Ort entfalten und die Reise vertiefen.
Diese Reise mit mehreren Stopps ermöglicht eine tiefere kulturelle Immersion – gerade in einem Land, in dem Overtourism zunehmend zur Herausforderung wird.
„Es geht nicht darum, die bekannten Orte zu meiden“, erklärt Levente. „Tokio oder Kyoto kann und sollte man nicht auslassen. Die eigentliche Frage ist: Baut man die gesamte Reise ausschließlich um diese Hotspots herum auf und bleibt auf den geraden Touristenrouten? Oder biegt man auch in ländliche Regionen ab, entlastet die klassischen Zentren und gewinnt ein umfassenderes, differenzierteres Bild des Landes?“
Die Guides betonen außerdem, dass die Nippon Rally keineswegs nur für Japan-Kenner gedacht ist. Im Gegenteil – sie ist auch für Erstbesucher eine selbstbewusste, stimmige Wahl.
Neben den ikonischen Highlights erleben die Teilnehmer intime Momente – etwa beim Besuch einer kleinen Töpferwerkstatt. So stehen neben den „Must-Sees“ auch weniger bekannte Orte auf dem Programm, die noch nicht vom Hype erfasst wurden und der Reise Tiefe und Balance verleihen.
Yusuke Fukui, in Japan geboren, später nach Ungarn gezogen und nach fast zwanzig Jahren im Ausland in seine Heimat zurückgekehrt, bewegt sich selbstverständlich zwischen zwei kulturellen Perspektiven. Als zeitgenössischer Visual Artist versteht er genau, wie Alltag, Traditionen und soziale Codes in Japan funktionieren.
„Viele kommen mit der Vorstellung, dass traditionelles und modernes Japan zwei getrennte Welten sind“, sagt er. „Als würden sie nebeneinander oder sogar im Gegensatz zueinander existieren. In Wirklichkeit entwickeln sie sich aus derselben Kontinuität. Soziale Normen, kulturelle Muster und die kollektiv geprägte Denkweise beruhen auf jahrhundertealten Fundamenten – auch wenn das Land heute technologisch an der Spitze steht.“
Gleichzeitig kämpfen viele ländliche Regionen Japans mit Bevölkerungsrückgang und Überalterung. Ganze Dörfer schrumpfen von Jahr zu Jahr. Internationaler Tourismus spielt dort bislang nur eine geringe Rolle – was auch die Haltung der Menschen gegenüber Besuchern prägt.
„Japan ist nicht nur die Hauptstadt. Das Land besteht aus 47 Präfekturen. In kleineren Orten sind die Menschen oft genauso neugierig auf dich wie du auf sie. Man spürt die traditionelle Gemeinschaftsstruktur deutlicher, versteht lokale Kultur und Gastronomie unmittelbarer – und erlebt den Alltag so, wie er wirklich ist.“
Die Nippon Rally bewegt sich zwischen individueller Reise und klassischer Gruppenreise.
„Man profitiert von den echten Vorteilen einer Gruppe“, erklärt Levente. „Erfahrene lokale Guides, sorgfältig kuratierte Programme, oft abseits der üblichen Wege, und eine reibungslose Organisation. Du musst dich nicht um Mietwagen, Navigation, Hotels oder Restaurants kümmern. Diese Verantwortung nehmen wir dir ab – damit du dich auf das Erleben konzentrieren kannst.“
Gleichzeitig bist du nicht rund um die Uhr an die Gruppe gebunden. Tagsüber bewegst du dich in deinem eigenen Rhythmus. Abends, bei einem traditionellen japanischen Essen, findet man oft ganz natürlich wieder zusammen – tauscht Erlebnisse aus, teilt Geschichten, verbindet sich neu. Innerhalb der GoBeyond-Philosophie ist Gemeinschaft nie Verpflichtung, sondern Mehrwert – wenn sie organisch entsteht.
Die Nippon Rally verspricht keinen Generalschlüssel für Japan. Sie bietet vielmehr eine andere Perspektive: wie eine Reise gleichzeitig weitläufig und intensiv, strukturiert und frei, gemeinschaftlich und intim sein kann. Und vielleicht ist genau dieses Gleichgewicht der Grund, warum sie sich sowohl für die erste Begegnung mit Japan eignet als auch für die zweite oder dritte.
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